Eine aktuelle, von einem Hersteller beauftragte Studie zeigt: 71 Prozent der Befragten wollen Strom statt fossiler Brennstoffe stärker ins Zentrum der Energieversorgung rücken, und fast zwei Drittel sehen die Wärmepumpe im eigenen Zuhause als sinnvollen nächsten Schritt.
Der Satz „Traue nie einer Studie, die du nicht selbst in Auftrag gegeben hast“ passt hier als humorvoller Warnhinweis durchaus ganz gut. Denn ja: Die Erhebung wurde von einem Hersteller in Auftrag gegeben. Trotzdem wirken die Ergebnisse im Lichte der aktuellen Energiepreisdiskussion, der geopolitischen Unsicherheiten und der stockenden Förderkulisse in Österreich bemerkenswert plausibel.
Wer in Österreich heizt, merkt die Energiewende nicht zuerst im Gesetzblatt, sondern auf der Rechnung, im Technikraum und bei der Frage, was beim nächsten Heizungstausch überhaupt noch sinnvoll erscheint. Genau dort setzt der aktuelle „Energie-Trendmonitor Österreich 2026“ an: nicht bei abstrakten Klimazielen, sondern bei der Frage, wie Menschen ihre eigene Versorgungssicherheit einschätzen.
Fossile Energie wird zum Unsicherheitsfaktor
Die Studie basiert auf einer bevölkerungsrepräsentativen Befragung von 1.000 Bürgerinnen und Bürgern im Januar 2026. Das ist keine Vollerhebung, aber groß genug, um ein belastbares Stimmungsbild zu zeichnen. Auffällig ist vor allem die Richtung: Öl- und Gasimporte verlieren in der Wahrnehmung vieler Haushalte an Sicherheit und Akzeptanz. Rund drei Viertel der Befragten halten die Abkehr davon für wichtig oder sehr wichtig.
Das ist mehr als ein politisches Signal. Es zeigt, dass Versorgung längst nicht mehr nur als Frage des Preises verstanden wird, sondern auch als Frage von Abhängigkeit. Wenn Energie aus Krisenregionen oder volatilen Weltmärkten kommt, landet diese Unsicherheit früher oder später im Heizungskeller.
Strom rückt in die Mitte des Energiesystems
71 Prozent der Befragten wollen Strom statt fossiler Brennstoffe zur zentralen Energie machen. Das ist deshalb relevant, weil damit ein grundlegender Systemwechsel gemeint ist: weg von Heizöl und Erdgas, hin zu Technologien, die Strom als Antriebsenergie nutzen.
Im Alltag bedeutet das: Heizen, Warmwasser und teilweise auch Mobilität wachsen stärker zusammen. Gerade in Wohngebäuden wird Strom damit zum Verbindungsglied zwischen Wärmepumpe, Photovoltaik, Speicher und Netz. Was früher getrennte Welten waren, wird zunehmend ein gemeinsames Energiesystem.
Warum die Wärmepumpe in der Debatte so präsent ist
Besonders interessant ist, dass knapp zwei Drittel der Befragten einen Wechsel zur Wärmepumpe im eigenen Zuhause befürworten. Das ist insofern bemerkenswert, als diese Technik in Österreich zwar breit diskutiert wird, in der Praxis aber noch immer mit Investitionsfragen, Gebäudestandards und Förderlogiken ringt.
Die Studie verweist darauf, dass private Haushalte rund 80 Prozent ihres Energieverbrauchs für Raumwärme und Warmwasser benötigen. Genau dort liegt also der größte Hebel. Wenn sich in diesem Bereich etwas verschiebt, verändert das nicht nur einzelne Haushalte, sondern mittelfristig auch Lastprofile, Strombedarf und Sanierungsstrategien im Gebäudebestand.
Die Preisfrage bleibt der stärkste Beschleuniger
64 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass Öl- und Gasheizungen künftig teurer im Betrieb werden. Diese Erwartung ist für die Einordnung entscheidend. Denn oft wird über Heiztechnik gesprochen, als wäre sie primär eine Haltungsfrage. In Wirklichkeit entscheiden viele Haushalte deutlich nüchterner: nach laufenden Kosten, Planbarkeit und Risiko.
Genau deshalb wirken die Studienergebnisse trotz des Auftraggebers glaubhaft. Nicht weil man jede Herstellerstudie automatisch glauben sollte, sondern weil die Grundannahme derzeit naheliegt: Fossile Systeme gelten vielen Menschen nicht mehr als stabile Langfristlösung.
Zustimmung ist noch kein Marktdurchbruch
Spannend wird es dort, wo Meinung und Markt auseinanderlaufen. Laut den im Dokument zitierten Berechnungen von Wärmepumpe Austria ist die Zahl der abgesetzten Öl- und Gaskessel zuletzt wieder deutlich gestiegen. Als wesentlicher Grund wird die ausbleibende Bundesförderung genannt, die erst im November wieder gestartet ist.
Das zeigt ein bekanntes Muster: Viele Menschen finden erneuerbare Heizsysteme sinnvoll, verschieben die Entscheidung aber, wenn Förderungen stoppen, Unsicherheit herrscht oder Investitionen kurzfristig schwer kalkulierbar sind. Der Heizungsmarkt reagiert eben nicht nur auf Überzeugungen, sondern auf Timing, Vertrauen und Finanzierbarkeit.
Was Haushalte daraus mitnehmen können
Die Studie liefert keine neutrale Wahrheit über den Heizungsmarkt. Sie liefert aber ein nachvollziehbares Bild davon, wie stark sich die Wahrnehmung verschoben hat. Fossile Heizungen werden zunehmend als Kosten- und Abhängigkeitsrisiko gelesen, elektrische Lösungen als Zukunftsoption.
Offen bleibt, wie schnell dieser Meinungswandel tatsächlich in Sanierungen, Gerätewechsel und neue Gebäudekonzepte übersetzt wird. Genau dort liegt der Zielkonflikt der nächsten Jahre: Der Wunsch nach Unabhängigkeit ist da, doch zwischen Zustimmung und Umsetzung stehen Investitionskosten, Förderpolitik und die praktische Eignung jedes einzelnen Gebäudes.
Unser Fazit lautet
Die Studie ist kein neutraler Orakeltext, sondern eine Auftragsarbeit mit erkennbarem Absender. Das sollte man sauber dazusagen. Ebenso sauber muss man aber festhalten: Die Zahlen wirken in der aktuellen Lage nicht konstruiert, sondern im Kern stimmig. Wer heute über Heizen nachdenkt, denkt längst nicht mehr nur über Technik nach, sondern über Preisrisiken, Abhängigkeiten und die Frage, wie viel Zukunft ein System noch hat.

