Viele Menschen wollen bei Energie und Mobilität etwas verändern, gleichzeitig werden Investitionen genauer geprüft als noch vor wenigen Jahren. Genau hier ist die aktuelle Studie der Universität Graz, Deloitte Österreich und Wien Energie hilfreich: Sie zeigt nicht nur, wie die Bevölkerung denkt, sondern auch, wo zwischen Zustimmung und Umsetzung konkrete Hürden entstehen. Für SmartGyver ist das besonders relevant, weil die Energie- und Mobilitätswende für Konsument:innen nicht zuerst in politischen Debatten sichtbar wird, sondern im Zuhause: bei der PV-Anlage am Dach, beim Stromspeicher im Keller, bei der Heizungsfrage und beim Ladepunkt vor dem Haus.
Warum ein „Ja“ zur Energiewende nicht automatisch eine Investition bedeutet
Die wichtigste Erkenntnis der Studie ist nicht eine einzelne Prozentzahl, sondern ein Muster: Viele Menschen stimmen Erneuerbare Energien grundsätzlich zu, entscheiden im Alltag aber vorsichtiger. Das ist kein Widerspruch, sondern eine normale Reaktion auf Teuerung, steigende Lebenshaltungskosten und hohe Investitionen.
Die vorliegenden Studienunterlagen zeigen eine weiterhin hohe Zustimmung zu erneuerbaren Energieprojekten von rund 60 bis 80 Prozent – je nach Technologie. Gleichzeitig bleibt die Umsetzung an vielen Stellen anspruchsvoll. Das bedeutet für Haushalte: Man kann die Richtung richtig finden und trotzdem sagen, dass es finanziell oder organisatorisch gerade nicht passt.
Gerade diese nüchterne Sicht ist hilfreich. Sie nimmt Druck aus der Debatte, weil sie zeigt, dass viele Haushalte ähnlich denken. Zustimmung heißt heute oft: „Ja, aber ich muss es mir leisten können – und es muss in meinem Gebäude überhaupt funktionieren.“
Energiesparen wird zur Technik- und Gebäudeentscheidung
Ein auffälliger Befund der Studie ist die Verschiebung vom reinen Sparverhalten hin zu technischen Maßnahmen. Laut den veröffentlichten Studienergebnissen setzen Menschen seltener nur auf Verhaltensänderungen und investieren häufiger in Photovoltaik, Heizungstausch oder Gebäudesanierung.
Das ist für Konsument:innen ein wichtiger Punkt. Viele klassische Sparmaßnahmen im Alltag bleiben sinnvoll, haben aber Grenzen. Wer dauerhaft weniger Energiekosten will, landet früher oder später bei der Frage, wie gut das Gebäude selbst aufgestellt ist. Dann geht es nicht mehr nur um Gewohnheiten, sondern um Technik, Planung und Investitionsreihenfolge.
Die Studie zeigt auch, warum Menschen handeln: Energiekosten und allgemeine Teuerung bleiben die wichtigsten Motive für Maßnahmen. Klimaschutz und Unabhängigkeit von fossilen Energieträgern spielen ebenfalls eine Rolle, aber die Kostenfrage ist für viele Haushalte der Auslöser, nicht ein Nebenthema.
Das ist keine schlechte Nachricht. Im Gegenteil: Es zeigt, dass Erneuerbare Energien im Alltag angekommen sind. Wer investiert, denkt zunehmend in Nutzwert, laufenden Kosten und Zukunftssicherheit – also genau so, wie Haushalte große Entscheidungen typischerweise treffen.
PV-Anlage und Stromspeicher: Warum das Thema jetzt eine neue Phase erreicht
Photovoltaik bleibt laut Studie die beliebteste erneuerbare Technologie. Der Anteil der Befragten mit PV-Anlage am Haus oder Wohngebäude liegt 2025 bei 27 Prozent und damit auf dem Niveau des Vorjahres. Das wirkt auf den ersten Blick wie Stillstand, ist aber eher ein Zeichen für einen reiferen Markt.
Denn viele Haushalte, die rasch investieren wollten und konnten, haben das bereits getan. Danach verschiebt sich die Frage: Nicht mehr nur „PV ja oder nein?“, sondern „Wie hole ich mehr Nutzen aus meiner Anlage heraus?“ Genau hier wird der Stromspeicher wichtiger.
Laut Studie verfügen 49 Prozent der befragten Haushalte mit PV-Anlage bereits über einen Stromspeicher; in den begleitenden Unterlagen zur Studienpräsentation wird das als Rekordhoch im privaten Bereich eingeordnet. Für Konsument:innen heißt das in einfacher Sprache: Immer mehr Menschen wollen ihren selbst erzeugten Strom zeitlich besser nutzen – nicht nur produzieren.
Das passt zur Alltagslogik vieler Haushalte. Eine PV-Anlage liefert häufig mittags viel Strom, wenn niemand zuhause ist. Der Verbrauch steigt aber oft am Abend. Ein Speicher kann einen Teil dieser Lücke schließen. Er macht die Anlage damit nicht automatisch für alle wirtschaftlich gleich sinnvoll, aber für viele Haushalte praktisch attraktiver.
Auch die Motivlage unterstreicht das. Kosteneinsparungen werden als wichtigster Grund für eine PV-Anlage genannt (69 Prozent), dahinter folgen Umwelt- und Klimaschutz (34 Prozent) sowie öffentliche Förderungen (34 Prozent). Die PV-Anlage ist damit für viele Konsument:innen längst Teil einer Haushaltsrechnung – nicht nur ein Symbol für „grünen“ Lebensstil.
Heizen: Warum die beste Lösung oft nicht sofort umsetzbar ist
Beim Thema Wärme zeigt die Studie besonders klar, warum die Energiewende im Alltag komplex ist. Die Wärmeversorgung in Österreich bleibt gemischt: unterschiedliche Heizsysteme, unterschiedliche Gebäudetypen und sehr unterschiedliche Ausgangslagen. Das klingt selbstverständlich, ist aber zentral für das Verständnis.
Denn viele öffentliche Debatten wirken so, als gäbe es für alle Gebäude denselben Weg. Im Alltag ist das nicht so. Ein Einfamilienhaus mit Platz und Sanierungsspielraum hat andere Möglichkeiten als eine Wohnung im Mehrparteienhaus. Auch Gebäudezustand, bestehende Leitungen, Eigentumsverhältnisse und regionale Infrastruktur spielen mit.
Die Studie zeigt zudem, dass Teuerung bei Investitionen in erneuerbare Wärmeversorgung ein deutlicher Bremsfaktor ist – besonders in Wohnungseigentümergemeinschaften. Laut den vorliegenden Unterlagen geben deutlich mehr Wohnungseigentümer:innen an, dass in der Gemeinschaft wegen der Inflation gezögert oder eine Investition abgelehnt wurde.
Für Konsument:innen ist das eine wichtige Entlastung in der Einordnung. Wenn im Mehrparteienhaus nichts weitergeht, heißt das nicht automatisch, dass niemand interessiert ist. Oft ist der Engpass organisatorisch: Wer entscheidet, wer zahlt wann, was wird gemeinsam getragen, was muss zuerst gemacht werden? Die Wärmewende ist daher häufig nicht nur eine Technikfrage, sondern auch eine Frage der Entscheidungsstruktur im Gebäude.
E-Auto im Alltag: Die eigentliche Hürde steht oft zuhause
Im Bereich Elektromobilität zeigen die bereitgestellten Unterlagen zur Studienpräsentation eine Erholung des Kaufinteresses. Für 2025 wird ein Wert von 42 Prozent genannt, das entspricht einem Plus von 6 Prozentpunkten gegenüber dem Vorjahr. Das deutet darauf hin, dass das Thema für viele Haushalte weiter relevant bleibt.
Gleichzeitig zeigen die Unterlagen auch die bekannten Hürden: hohe Anschaffungskosten, Reichweitenfragen und Unsicherheit rund um die Ladeinfrastruktur. Für Konsument:innen ist das wichtig, weil es den Blick zurechtrückt. Die Entscheidung für ein E-Auto hängt nicht nur am Auto selbst, sondern stark an der Frage, wie das Laden im Alltag funktioniert.
Die vorliegenden Informationen zur Studienvorstellung zeigen, dass viele Menschen vor allem zuhause laden wollen; zusätzlich spielt der Arbeitsplatz eine wichtige Rolle. Damit wird Elektromobilität zur Wohn- und Gebäudefrage. Wer über ein E-Auto nachdenkt, sollte deshalb nicht nur Fahrzeugpreis und Reichweite vergleichen, sondern auch früh klären, ob am Wohnort ein Ladepunkt realistisch ist.
Gerade im Mehrparteienhaus oder in dichter bebauten Wohnsituationen ist das oft der entscheidende Punkt. Ein attraktives Fahrzeug hilft wenig, wenn Ladeinfrastruktur im eigenen Umfeld fehlt oder nur mit großem Aufwand nachrüstbar ist. Die Studie macht damit sichtbar, warum der E-Auto-Markt nicht allein durch Modellangebote wächst, sondern durch die Alltagstauglichkeit des Ladens.
Warum die EU-Gebäuderichtlinie plötzlich sehr praktisch wird
Die EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) klingt nach Fernpolitik, hat aber direkte Bedeutung für den Wohnalltag. Denn die Richtung ist klar: Ladeinfrastruktur und Ladevorbereitung sollen in Neu- und Bestandsgebäuden stärker berücksichtigt werden. Das betrifft damit genau jenen Bereich, den viele Haushalte im Alltag zuerst spüren – den Stellplatz und die Gebäudetechnik.
Für Konsument:innen heißt das mittelfristig zweierlei. Einerseits verbessern sich die Voraussetzungen, weil Ladepunkte im Gebäudeumfeld stärker mitgedacht werden müssen. Andererseits steigt die Bedeutung früher Planung. Wer erst nach dem Fahrzeugkauf beginnt, die Gebäudefrage zu klären, landet häufiger bei aufwendigen und teuren Nachrüstungen.
Genau diese Verbindung zwischen Regulierung, Gebäudetechnik und Praxis wurde im i-Magazin Expertentalk auf YouTube bereits fachlich vertieft – insbesondere mit Blick auf Ladeinfrastruktur in Neu- und Bestandsgebäuden: https://www.youtube.com/watch?v=iXMFGW58w4k&t=2s
Für SmartGyver-Leser:innen ist daran vor allem eines relevant: Die Energie- und Mobilitätswende wird im Alltag immer stärker eine Wohnfrage. Wer heute saniert, umbaut oder neu plant, trifft Entscheidungen, die später auch für Laden, Heizen und Stromnutzung entscheidend sind.
Was Haushalte aus der Studie mitnehmen können – ohne Schönfärberei
Die Studie von Universität Graz, Deloitte Österreich und Wien Energie zeigt kein einfaches Erfolgsbild und auch kein Krisenszenario. Sie zeigt ein realistisches Österreich: hohe Zustimmung zu Erneuerbare Energien, aber gleichzeitig eine sehr genaue Prüfung von Kosten, Nutzen und Umsetzbarkeit im Alltag.
Gerade das ist für Konsument:innen nützlich. Es hilft, die eigene Situation ohne Druck einzuordnen. Wer heute nicht alles gleichzeitig umsetzen kann, ist kein Sonderfall. Viele Haushalte stehen vor denselben Fragen: Was ist zuerst sinnvoll? Was ist leistbar? Was passt zum Gebäude? Was bringt im Alltag tatsächlich Entlastung?
Mittelfristig wird damit ein Punkt immer wichtiger: das Denken in Systemen statt in Einzelprodukten. PV-Anlage, Stromspeicher, Heizung und Laden greifen zunehmend ineinander. Je besser diese Bausteine zusammenpassen, desto eher wird aus Zustimmung echte Umsetzung – und desto stärker profitiert der Alltag von der Energie- und Mobilitätswende.
Quellenliste
- Studie „Erneuerbare Energien in Österreich 2026“ (Universität Graz, Deloitte Österreich, Wien Energie), bereitgestellte Studienunterlage.
- Bereitgestellte Unterlagen zur Studienkommunikation „PA_Erneuerbare Energien_23022026“.
- Bereitgestellte Unterlagen zur Studienvorstellung „Deloitte_Studie_Erneuerbare Energien AT_230226“.
- Redaktionsfassung/Arbeitsstand „Studie Erneuerbare Energien_Story_i-Magazin_FINAL“ (ergänzend zur Einordnung).
