Bremsen, warten, anfahren – und an der nächsten Kreuzung beginnt das Spiel von vorn. Ampelassistenten können Schluss mit dem Rätselraten machen: In entsprechend ausgestatteten Fahrzeugen zeigen sie im Cockpit an, wie lange die Ampel noch rot bleibt und mit welchem Tempo man die grüne Welle erwischt. In Wien sind bereits mehr als 1.100 Ampeln an ein solches System angebunden.
Wer regelmäßig mit dem Auto durch die Stadt fährt, kennt diesen Moment nur zu gut: Die Ampel vor einem schaltet um, man bremst, steht, wartet – und kaum ist man wieder in Fahrt, wiederholt sich das Ganze an der nächsten Kreuzung. Umso schöner ist jenes seltene Glück, wenn eine Ampel nach der anderen auf Grün springt und man scheinbar mühelos durch die Stadt gleitet. Die grüne Welle spart Zeit, Nerven und Geld, und sie nützt nicht nur dem, der sie erwischt: Solange der Verkehr fließt, bleiben jene Stop-and-go-Phasen aus, aus denen sonst allzu schnell ein Stau wird.
Gute Ratschläge, die in der Stadt an ihre Grenzen stoßen
Die Empfehlungen für flüssiges Fahren kennt eigentlich jeder: Abstand halten, ein gleichmäßiges Tempo fahren und unnötige Spurwechsel vermeiden. Im Stadtgebiet, wo alle paar hundert Meter eine Ampel über Weiterfahren oder Warten entscheidet, ist das allerdings leichter gesagt als getan, denn wann die nächste Ampel umschaltet, weiß man als Lenkerin oder Lenker schlicht nicht. Genau diese Wissenslücke können Ampelassistenten schließen. Bei Audi etwa wurde ein solches System bereits 2019 eingeführt und ist heute in allen aktuellen Modellen verfügbar – spannender als die Marke ist allerdings das Prinzip, das dahintersteckt.

Jede rote Ampel bedeutet Bremsen, Warten und erneutes Anfahren, und aus vielen solchen Stop-and-go-Phasen entsteht Stau. Je mehr Fahrzeuge Daten liefern, desto besser lässt sich die grüne Welle planen. © Porsche Holding Gesellschaft m.b.H.
Zwei Funktionen, ein Ziel: kein unnötiges Bremsen
Was technisch aufwändig klingt, ist in der Praxis erstaunlich einfach. Beim Audi-System, das hier als Beispiel dient, erscheinen im digitalen Cockpit ein Ampelsymbol, ein Sekundenzähler und eine Geschwindigkeitsempfehlung: Der Countdown zeigt, wie lange es noch bis zur nächsten Grünphase dauert, während die Empfehlung verrät, mit welchem Tempo man sich der Ampel am besten nähert, um sich innerhalb der grünen Welle zu bewegen. Statt auf das Rot zuzufahren und knapp davor abzubremsen, nimmt man den Fuß vom Fahrpedal, lässt das Auto ausrollen und beschleunigt erst dann wieder, wenn die Ampel auf Grün springt. Der Assistent liefert dabei Informationen, die Entscheidung bleibt aber beim Menschen am Steuer: Was auf der Straße tatsächlich passiert, hat immer Vorrang vor der Anzeige im Cockpit.
Fachleute haben für die beiden Funktionen eigene Begriffe: TTG steht für „Time to Green“, also den Countdown, und Glosa für „Green Light Optimal Speed Advisory“, die Geschwindigkeitsempfehlung. Hinter den sperrigen Namen verbirgt sich nichts anderes als die Antwort auf die zwei Fragen, die man sich an jeder Kreuzung stellt: Wie lange noch – und wie schnell soll ich fahren?
Die Reise der Daten: Von der Ampel ins Cockpit
Wer nun glaubt, die Ampel funke direkt ans Auto, liegt falsch. Beim Audi-System legt die Information einen Weg über mehrere Server zurück: Am Anfang steht der Zentralrechner, der die Ampelanlagen einer Stadt steuert. Er gibt seine Schaltdaten an einen externen Serviceprovider weiter, der sie wiederum in das Backend von Cariad einspielt, einer Software-Tochter des Volkswagen-Konzerns. Dort werden die Daten für die Fahrzeuge aufbereitet und erst dann über das 5G-Mobilfunknetz ins Auto geschickt.
Doch was passiert an Kreuzungen, deren Ampeln gar nicht an ein solches System angeschlossen sind? Auch dafür gibt es einen zweiten Datenweg, und er ist bemerkenswert: Wo keine direkte Anbindung an die städtische Ampelsteuerung besteht, berechnet das System die Grünphasen aus den Bewegungsdaten anderer Fahrzeuge. Die Autos selbst werden damit zu Sensoren, die einander verraten, wann es an der nächsten Kreuzung weitergeht.

Wer zu zögerlich fährt, verpasst die Grünphase womöglich um wenige Sekunden. Die Geschwindigkeitsempfehlung zeigt an, mit welchem Tempo die Ampel noch bei Grün erreicht wird. © Porsche Holding Gesellschaft m.b.H.
Wien, Salzburg, Graz: Hier ist die grüne Welle schon berechenbar
Dass es sich dabei nicht um Zukunftsmusik handelt, zeigen die Zahlen aus Österreich. In Wien waren im Sommer 2026 bereits 1.131 Ampeln an das System angebunden. Salzburg, die erste Stadt Österreichs mit solchen „schlauen Ampeln“, kam auf 151 Anlagen, und auch in Graz sind schon diverse Ampeln vernetzt. Wichtige Verkehrsknotenpunkte sind bereits heute abgedeckt, darunter die Ampelanlagen entlang der Wiener Ringstraße oder an der Gabelsbergerstraße in Salzburg – und das Netz wird laufend erweitert.
Mehr als eine Ampel: Wenn Autos voneinander lernen
Der Ampelassistent ist dabei kein isoliertes Extra, sondern nur ein Baustein einer viel größeren Entwicklung, die unter dem Begriff Car-to-X läuft – der Kommunikation zwischen Fahrzeug und Infrastruktur. Die Idee dahinter ist so einfach wie wirkungsvoll: Fahrzeuge sammeln Informationen und übermitteln sie anonymisiert an einen Server, wo sie aufbereitet und an andere Fahrzeuge weitergegeben werden. Auf diesem Weg warnen solche Schwarmdienste vor Unfallstellen, Glätte oder Pannen, andere wiederum melden freie Parkplätze oder Ladesäulen – für alle, die elektrisch unterwegs sind, ein durchaus willkommenes Detail.

Das Warten an der roten Ampel wird kalkulierbar, weil der Countdown die verbleibenden Sekunden bis zur Grünphase anzeigt. Statt ungeduldig auf das Umschalten zu lauern, lässt sich gelassen abwarten. © Porsche Holding Gesellschaft m.b.H.
Fazit: Die grüne Welle wird planbar
Für all diese Dienste gilt dasselbe Prinzip: Je mehr Fahrzeuge Daten liefern, desto besser funktioniert das System. Was heute als Countdown vor der roten Ampel beginnt, könnte morgen zu einer vorausschauenden Routenplanung werden, die Staus nicht bloß umfährt, sondern ihr Entstehen von vornherein verhindert. Die grüne Welle bleibt damit, was sie immer war: der angenehmste Weg durch die Stadt – nur dass man sie künftig nicht mehr dem Zufall überlassen muss.

In Wien waren im Sommer 2026 bereits 1.131 Ampeln an das System angebunden, darunter Anlagen entlang der Ringstraße. An immer mehr Kreuzungen ist damit im Voraus bekannt, wann es grün wird. © Porsche Holding Gesellschaft m.b.H.
Vernetzte Ampeln in Österreich
Wien: 1.131 angebundene Ampeln (Stand Sommer 2026), darunter Anlagen entlang der Ringstraße
Salzburg: 151 Ampeln – erste Stadt Österreichs mit „schlauen Ampeln“, unter anderem an der Gabelsbergerstraße
Graz: diverse Ampeln bereits vernetzt
Quelle: Porsche Holding Gesellschaft m.b.H.
